Geismarer Bergbauhalden

Alte Halden - Juwele für Natur und Kultur
Pflege von Naturdenkmälern


Die alten Halden zwischen Frankenberg und Geismar sind nicht nur Naturoasen in der Agrarlandschaft, sondern auch Zeugen einer alten Bergbautradition. Viele der ehemals weit über 100 "Pingen" sind schon verschwunden oder kaum noch zu erkennen. Jahrhunderte lang waren die schwermetallhaltigen Gesteinshaufen nur spärlich bewachsen. Mittlerweile sind fast alle Halden mit Kiefern bewaldet und bilden ein Netz von Feldgehölzen in der Landschaft. Charakterpflanze der "Pingen" ist der Ackerwachtelweizen, ein purpurrot blühendes Braunwurzgewächs. Bundesweit einzigartig ist auch das Vorkommen einer Unterart der Taubenkropfnelke, die auf schwermetallhaltigem Untergrund wächst. Da einige Halden bereits als Naturdenkmal ausgewiesen oder vorgeschlagen sind, zeichnet die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis Waldeck-Frankenberg für die Pflege zuständig. Laut Diplom-Biologe Achim Frede besitzen die Halden als Kombination aus geologischer Besonderheit, botanischem Sonderbiotop und Bereicherung des Landschaftsbildes mit Feldgehölzen eine hohe Bedeutung. Alle drei Aspekte sollten langfristig gesichert werden. Daher begannen wir im Winter 2001/2002 mit ersten Pflegemaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Geismarer Heimat- und Kulturverein und Landwirten. Je nach Lage und Ausrichtung der Halde, Sukzessionsstadium und Vegetation haben wir gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde über Umfang und Ziel der Pflegearbeiten entschieden. Also kein genereller Kahlschlag, sondern vegetationsbezogenes Handeln. Dort, wo noch Schotterfluren und Trockenstandorte vorhanden sind, wird eine Auslichtung des Kiefernbestandes angestrebt. So auch auf der "Weißen Halde", wie sie von vielen Geismarern lange Zeit genannt wurde. An der Frankenberg/Geismarer Gemarkungsgrenze "Ochsenberg"/"Auf dem Rödchen" war viele Jahrzehnte der helle Schotter sichtbar. Doch unter zahlreichen Kiefern verlor der Hügel an der alten Geismarer Straße seinen Wert für wärmeliebende Tier- und Pflanzenarten.

Bei mehreren gemeinsamen Arbeitseinsätzen entfernten wir Kiefern und Nadelspreu. Hans-Joachim Schlaudraff und Gerhard Ködding vom Geismarer Heimat- und Kulturverein erläuterten die Bergbaugeschichte (1590 bis 1818). Im Sommer blühten auf der Halde bereits blaue Glockenblumen und rote Heidenelken. Der Thymian verbreitete seinen Duft, viele Schmetterlinge gaukelten über der Magerrasenfläche. Eine weitere Halde wird jeden Herbst teilweise entbuscht, um den Standort des Ackerwachtelweizens zu erhalten. Im Winter 2003/2004 haben wir eine dritte Halde ausgelichtet und die Voraussetzung für eine Schafbeweidung und dauerhafte Offenhaltung geschaffen. Geplant ist ein Kartierungs- und Forschungsprojekt über die Pflanzengesellschaften dieser Sonderstandorte.

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© NABU/Naturschutzjugend Frankenberg